BWL-MentorMichael Holtschneider

Lernplan

Prüfung in zwei Wochen vorbereiten

Wenn die Zeit knapp ist, entscheidet nicht der Fleiß, sondern die Reihenfolge. Hier steht der Plan, mit dem das Material auf dieser Seite am besten zusammenarbeitet: 14 Tage, deine drei Bereiche, alte Prüfungen an der richtigen Stelle — und die Fehler, die in der Vorbereitung am meisten Zeit kosten.

Warum die Reihenfolge wichtiger ist als die Stundenzahl

Zwei Wochen sind genug — aber nur, wenn in dieser Zeit nicht dreimal dasselbe gelesen wird. Der häufigste Vorbereitungsfehler ist linear: von Seite eins des Skripts bis zur Erschöpfung. Was dabei passiert, ist vorhersehbar. Die ersten Kapitel sitzen gut, die letzten werden nie erreicht, und in der Klausur stehen die Punkte unglücklicherweise gleichmäßig verteilt.

Die Alternative ist ein Plan, der zweimal durch den ganzen Stoff geht. Der erste Durchgang schafft Verständnis und kostet sechs Tage. Dann folgt eine Messung in Form von Altklausuren, und erst danach wird entschieden, wohin die restliche Zeit fließt. Das ist unbequem, weil man bei der Messung schlecht abschneidet — und genau deshalb funktioniert es.

Wie du einen Bereich richtig durcharbeitest

Jede Bereichsseite ist gleich aufgebaut — oben die Unterlagen, darunter die Aufnahmen —, damit du pro Thema nicht neu überlegen musst, wie du vorgehst. Die Arbeitsweise, die am meisten bringt, ist vier Schritte lang:

  1. Die Unterlage einmal ganz lesen, ohne Stift. Ziel ist Überblick, nicht Behalten.
  2. Die Aufgaben rechnen, auf Papier, ohne hinzuschauen. Wer einen Rechenweg nur liest, hält ihn für verstanden — das ist der verlässlichste Selbstbetrug beim Lernen.
  3. Die Aufnahme ansehen oder anhören, und zwar erst jetzt. Nach dem eigenen Versuch merkst du an der Erklärung genau, wo dein Weg abgebogen ist.
  4. Das Thema in zwei Sätzen formulieren, laut oder schriftlich. Wenn das nicht geht, ist das Thema nicht fertig — unabhängig davon, wie lange du daran gesessen hast.

Altklausuren: das wichtigste Werkzeug, am häufigsten falsch benutzt

Eine Altklausur ist kein Übungsblatt, sondern ein Messgerät. Sie misst nur dann richtig, wenn du die Bedingungen der Prüfung herstellst: Zeit nehmen, Unterlagen weglegen, Handy weg, in einem Durchgang. Danach kommt der Teil, der wirklich zählt — jeden Fehler einem Thema und einer Fehlerart zuordnen. Fehlendes Wissen, falscher Ansatz, Rechenfehler und Zeitmangel verlangen völlig verschiedene Gegenmaßnahmen, und nur eine davon heißt „noch mal lesen“.

Gibt es keine alten Prüfungen, funktionieren die Aufgabenblätter aus dem Material als Ersatz: Nimm aus jedem Bereich zwei Rechenaufgaben und zwei Begründungsfragen, setz dir 60 Minuten und beantworte sie schriftlich und vollständig — mit Ergebnissatz.

Was du bewusst weglässt

In zwei Wochen ist Vollständigkeit kein Ziel. Streichen solltest du Randthemen, die in den alten Prüfungen nie vorkamen, Zusatzliteratur und jede Form von Neuanfang: ein neues Skript am Tag zehn ist keine Vorbereitung, sondern eine Flucht. Nicht streichen darfst du die Rechenaufgaben — sie sind der Teil mit den eindeutigsten Punkten.

Welche Themen in deiner Prüfung tatsächlich dran sind, steht in deinem Lehrplan; verbindlich ist immer das, was im Unterricht behandelt wurde. Das Material hier ist nach Ausbildungsberuf und Bereich sortiert — such dir im Überblick deinen Beruf und arbeite die drei Bereiche in der Reihenfolge durch, in der deine Prüfung sie gewichtet.

14 Tage

Der Plan, Tag für Tag

Du kannst ihn stauchen oder strecken; nur die Abfolge sollte bleiben — Verstehen, Messen, Lücken schließen, Erklären.

Tag 1: Überblick statt Anfang

Lies deinen Lehrplan und markier, welche Themen tatsächlich geprüft werden. Zwei Stunden hier sparen eine Woche am falschen Stoff.

Tag 2 bis 7: ein Thema pro Tag

Teil deine drei Bereiche — Geschäftsprozesse, WiSo, Rechnungswesen — in sechs Tagespakete. Pro Tag: Unterlage lesen, Aufgaben rechnen, Erklärung ansehen oder anhören. Nicht markieren, nicht abschreiben.

Tag 8 und 9: Altklausuren

Unter Zeitdruck und ohne Unterlagen. Danach jeden Fehler einem Thema zuordnen. Diese Zuordnung ist dein echter Lernplan für den Rest der Zeit.

Tag 10 bis 12: nur noch Lücken

Nimm ausschließlich die Themen, bei denen du in den Altklausuren Punkte verloren hast. Alles andere ist jetzt fertig, auch wenn es sich nicht so anfühlt.

Tag 13: einmal laut erklären

Erklär jeden Bereich in fünf Minuten jemandem, der keine BWL kennt. Wo du ins Stocken kommst, fehlt Verständnis, nicht Wiederholung.

Tag 14: nichts Neues

Formelübersicht durchlesen, Material zusammenlegen, früh schlafen. Ein neues Thema am Vortag verdrängt eher, als es hinzufügt.

Vorsicht

Die sechs teuersten Vorbereitungsfehler

Jeder einzelne davon fühlt sich beim Lernen produktiv an. Das ist das Problem.

Zeitfresser

  • Markieren statt rechnen. Ein farbiger Text fühlt sich bearbeitet an und ist es nicht. Punkte gibt es nur für Rechenwege und Formulierungen, die du selbst produziert hast.
  • Mit dem Lieblingsthema anfangen. Die Reihenfolge sollte sich an Abhängigkeiten und an deinen Lücken orientieren, nicht am Wohlgefühl.
  • Altklausuren mit offenem Skript lösen. Dann prüfst du, ob du etwas nachschlagen kannst — geprüft wird aber, ob du es ohne Nachschlagen kannst.
  • Formeln ohne Einheiten lernen. In der Klausur entscheidet oft die Einheit darüber, ob ein Ansatz erkennbar richtig ist: Euro je Stück, Stunden je Stück, Prozent pro Jahr.
  • Den Rechenweg nicht aufschreiben. Teilpunkte gibt es für den Ansatz. Ein falsches Endergebnis mit sauberem Weg bringt mehr Punkte als eine richtige Zahl ohne Weg.
  • Alles gleich wichtig behandeln. Wenige Themen machen in den meisten Prüfungen die Hälfte der Punkte aus — such sie in den alten Prüfungen und gewichte entsprechend.

In der Prüfung

Fragen, die sich am Klausurtag stellen

Zeiteinteilung, Teilpunkte, Begründungsaufgaben — die Punkte, die man ohne Fachwissen gewinnt oder verliert.

Am Klausurtag

  • 01Was mache ich in den ersten fünf Minuten der Klausur?

    Alle Aufgaben einmal lesen und die Punktzahlen notieren. Danach die Zeit nach Punkten verteilen — bei 90 Minuten und 90 Punkten ist eine 15-Punkte-Aufgabe 15 Minuten wert, keine 40. Mit der Aufgabe anfangen, die du sicher kannst; das sichert Punkte und beruhigt.

  • 02Ich komme bei einer Rechnung nicht weiter. Was tun?

    Schreib den Ansatz hin, den du für richtig hältst, benenn die Formel und rechne mit einer plausiblen Zwischengröße weiter. Teilpunkte gibt es für Ansatz, Formel und Weg. Leer bleibt nie etwas — und spätestens nach der veranschlagten Zeit gehst du weiter zur nächsten Aufgabe.

  • 03Wie beantworte ich eine offene Begründungsaufgabe?

    In drei Schritten: Fachbegriff nennen, ihn auf den Fall beziehen, Folge benennen. „Der Deckungsbeitrag beträgt 4 € je Stück (Begriff und Zahl), er trägt zur Deckung der ohnehin anfallenden Fixkosten bei (Bezug), bei freier Kapazität ist der Auftrag deshalb anzunehmen (Folge).“ Das sind drei Punkte statt einer Meinung.

  • 04Lohnt es sich, Definitionen wörtlich zu lernen?

    Für die zentralen Begriffe ja — Kosten, Deckungsbeitrag, Bezugspreis, Kaufvertrag. Sie sind die Eintrittskarte für die Argumentation und kosten wenig Lernzeit. Alles andere solltest du erklären können, nicht aufsagen.

  • 05Wie viel Zeit sollte ich für die Kontrolle einplanen?

    Etwa ein Zehntel der Gesamtzeit. Prüf in dieser Zeit drei Dinge: Hat jede Zahl eine Einheit? Ist jede Teilaufgabe beantwortet (auch die kleinen b- und c-Teile)? Steht bei jeder Rechnung ein Ergebnissatz? Das sind die billigsten Punkte der ganzen Klausur.

Das Material

Dein Beruf, deine drei Bereiche

In jedem Bereich stehen die Unterlagen zum Herunterladen und die Aufnahmen zum Ansehen — das Material für die Tage 2 bis 7 des Plans.

Dann fang mit Tag 1 an.

Überblick verschaffen, Bereich wählen, loslegen. Wenn unterwegs eine Unterlage fehlt oder eine Erklärung nicht sitzt, schreib mir.